No Country for Futurologists

Die Verlockungen sind groß: CORONA treibt noch den abgeklärtesten Zukunftsforscher aus seinem Studierzimmer. Schneller, und anders als die Anderen wollen Positionen bezogen werden: Alles wird besser, oder ganz furchtbar. CORONA als Katharsis der Weltgesellschaft, zumindest der Wohlstandsgesellschaft Westeuropas, die allen Propheten so vertraut ist.

Und wieder gilt die alte Einsicht: es gibt nur Gegenwart – der Vergangenheit ebenso wie der Zukunft. Deshalb sagen uns Zukunftsbilder vor allem etwas über die gegenwärtige Gestimmtheit, über die Werthaltungen der Propheten. Für Durchschnittsbürger stellt sich eher die Frage, was danach ein wenig anders sein könnte: eine andere, sinnvollere Kommunikation; mehr mutigere Fragen, und das Beharren auf vernünftigen (politischen) Antworten; eine erfrischende Interpretation des Begriffs Solidarität, mit allen ökonomischen Konsequenzen; und für PlanerInnen: Eigenzeit zum Denken und Beobachten usw., usf.

Die Zukunftsforscher könnten dann einfach durchatmen und eine Zeit lang schweigen.